(English Update in Progress)

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Das Innovative in der Gegenwart

Seit gefühlt einem Jahrzehnt ist es ruhig um kulturökonomische Analyse oder Zuschreibungen wie Innovation geworden. Dennoch hat sie die letzten zehn Jahre für “Neues” gesorgt: Postironie, Postinternet, spekulativer Realismus, object-oriented ontology, Neotransavantgarde. Von der medialen Selbstinszenierung, der sozialen Seismographie bis hin zur Renaissance des Analogen und der Poesie – das Rampenlicht ist durchzogen von größeren und kleineren Phasen sich gegenseitig bedingender Wertoppositionen. Kurz gesagt, das Regelwerk der Innovation war die letzten zehn Jahre ebenso am Wirken wie in die hundert Jahren davor. Das Neue wurde so vorzüglich vorangetrieben. Das Neue, verstanden als vermeintliches Überwinden von Bestehendem und vorsätzlicher Qualitätssicherung durch Wertdifferenz.

Das kulturökonomische Paradigma der Innovation spiegelt sich auch in der Vermittlung und Kritik sowie ihrer Sprache wieder und auch das ist Programm des zeitlich begrenzten Wertetausches. Deswegen klingt Postinnovation auch doppelt schal und das soll es auch. Noch vor wenigen Jahren wurden sowohl Innovation als auch das Präfix post inflationär gebraucht. Die Postinnovation markiert einen zeitlichen abgesteckten Kontrast auf begrifflicher Ebene. Sie ist einzig der Versuch, einer kulturökonomischen Forderung nachzukommen und die klassische, wertstiftende Figur der Innovation zu überwinden, mit dem Ziel aus der tradierten Schleife herauszutreten und neues Potential zu öffnen.

Das Neue

Ein neuer kultureller Wert wird visuell interpretiert und in das Kunstwerk eingebaut. Dieser Wert bezeichnet ein neues Verhältnis zwischen kulturellen Aktivitäten und kulturellen Produkten. Doch die kulturökonomische Logik fordert die ständige Verschiebung dieses Verhältnisses. Neu ist dieses Verhältnis nur so lange, bis die Konfrontation mit dem Museum überwunden scheint, Rezeptionsverhalten nachhaltig beeinflusst wurden, oder dazu übergegangen wird Schulen zu bilden. In diesem Moment spricht die Logik der Innovation ihr Misstrauen aus, indem sie wiederum das Verhältnis zu diesem – nun nicht mehr ganz so neuen – kulturellen Wert kontrastiert. Dieser spezifische Moment wird als negative Anpassung1 bezeichnet – er wertet das Neue (Andere/Profane) der Kultur auf und das Alte (Valorisierte) ab.Negative Anpassung ist keine moralische Verneinung, deswegen trifft es auf die Verschmelzung von zuvor getrennten Dingen zu gleichermaßen zu. Boris Groys folgend, ist dieser Tausch ein notwendiger Aspekt jedes innovativen Gestus und reicht von der klassischen Avantgarde bis in die Gegenwart.

1 Der Begriff und die Überlegungen zur Postinnovation sind aus der Auseinandersetzung mit Boris Groys Theorie entstanden. -Über das Neue `Versuch einer Kulturökonomie”

Postinnovation

Jedes innovative Handeln wiederholt demnach alle traditionellen Abläufe des innovativen Regelwerks, weshalb diese Kulturstrategie an sich nicht originell ist. Das Unterlaufen negativer Anpassungen ist eine wesentliche Bedingung meiner Arbeiten. Nachdem jedoch das Neue die zentrale kulturelle Forderung und Bürde der Kunst an sich ist, liegt es nahe, ihre subversiven Mechanismen (die negative Anpassung) als stabilisierende, auf- und abwertende Handlungsmuster allegorisch sichtbar zu machen – mit der Hoffnung auf ein Umgehen bzw. eine Fortführung in postinnovativer Form.

Methode


Ist die Postinnovation also vergleichbar mit einer Negation der Negation? Nachdem die bloße Beschreibung das Potential hat eine Sache zu unterwandern, wird auf eine erzählerische bzw. allegorische Form zurückgegriffen. Diese Form bildet die notwendige Bühne für den Signifikanten der Postinnovation. Um den Wertkontrast in der Darstellung zu
mindern, wird die Erzählung in ein spezifisches, artifizielles Umfeld eingebettet. In der Postinnovation wird die Unterscheidung zwischen relevanter (kulturell-wertvoller) und irrelevanter (beliebiger) Wert- Differenz fallen gelassen, die Wahl der Motive und Szenarien jedoch nicht dem Zufall überlassen. Das trifft in größerem und kleinerem Maße auch auf die instrumentalisierten Themen und seine visuellen Motive zu. 2 Postinnovation entsteht demnach nicht beiläufig in Form misslungener Innovationen -es ist ein vorsätzlich gedachter Prozess, simuliert durch eine spezifische Umgebung. Gibt es einen Signifikanten, also eine erkennbare Form, die auf die Postinnovation verweist? Nachdem materielle Eingriffe in der Kunst seit der Moderne auch durch ihre Idee bzw. Interpretation ersetzt werden können, kann sich ein Eingriff auch als Darstellung einer Ereigniskette innerhalb des Werks abzeichnen. Die in 3D umgesetzten Motive in der Ausstellung verstehen sich als Simulationen von Konzepten um dem Vorhaben der Postinnovation Nachdruck zu verleihen – eine Änderung der technischen Strategie ist zu einem anderen Zeitpunkt durchaus vorstellbar. Malerei und Fotografie zitieren und erzeugen auf eine direkte Weise Wirklichkeit bzw. Realität im weitesten Sinn. In den meisten Fällen würde eine Umsetzung der Motive in diesen Techniken falsche Konnotationen erzeugen (z.B. Malerei – Surrealismus). Die Simulationen folgen einer allgemeineren Ordnung: Der Forderung des Neuen als der einzigen Realität, die in unserer Kultur zum Ausdruck gebracht wird.

2 Dieser Text und die Arbeiten der Ausstellung exemplifizieren diverse kulturelle und künstlerische Praktiken ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Ich möchte hiermit meinen tiefsten Respekt für jegliche kulturelle und künstlerische Auseinandersetzung zum Ausdruck bringen und bitte um Nachsicht, falls meine Arbeit im Bezug auf ethische, genderspezifischen oder wissenschaftliche Diskurse Leerstellen aufweist. Die Instrumentalisierung kultureller und künstlerischer Elemente werden nur so weit reflektiert, wie sie der Agenda der Postinnovation dienlich sind.

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